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Nachbericht

BIM-Normung mitgestalten

Erfahrungen aus der BIM Praxis: 13. BIM Anwendertag

Der seit 2008 von buildingSMART e.V. regelmäßig organisierte BIM-Anwendertag hat sich als feste Größe im Veranstaltungskalender der deutschsprachigen BIM-Szene etabliert. Auch die mittlerweile 13. Veranstaltung am 24. Juni an der HTW Berlin war mit über 220 Besucherinnen und Besuchern wieder ausverkauft.

Zwanzig Referentinnen und Referenten berichteten in zwei parallelen Panels aus unterschiedlichen Perspektiven über BIM in Praxis, Forschung und Lehre sowie über den aktuellen Stand der nationalen und internationalen Normenverfahren. Während der Pausen gab es wieder ausreichend Gelegenheit für fachlichen Austausch und Netzwerken – diesmal mit Spreeblick.

Mehr deutsche Initiative für internationale Normenverfahren

Die große Bedeutung der Normierung von BIM-Standards auf nationaler und internationaler Ebene zog sich wie ein Roter Faden durch das Programm des Anwendertages. Das begann bereits am Vorabend beim Treffen der Vereinsmitglieder und geladenen Verbandsvertreter – denn unter den Mitgliedern gibt es mehrere Experten, die sich in führender Funktion in nationalen und internationalen Gremien für die Normierung von BIM-Standards engagieren.
Gleich im Eröffnungsvortrag von Dr. Ilka May, Geschäftsführerin der im Februar gegründeten planen-bauen 4.0 GmbH, kam die große Bedeutung der internationalen BIM-Normung zum Ausdruck. Aufgabe der nationalen BIM-Plattform ist es, die Einführung von BIM in der Breite zu befördern. Bereits bis Jahresende soll ein erster Stufenplan zur Einführung von BIM-Mindestanforderungen der öffentlichen Auftraggeber ausgearbeitete werden. Daneben nahm Ilka May zusammen mit ihrem Geschäftsführer-Kollegen Helmut Bramann in den letzten Monaten schon die Vertretung Deutschlands auf EU-Ebene wahr und konnte berichten, mit welch großem Druck etwa die Fachleute in England oder Frankreich die Überführung ihrer nationalen BIM-Standards in internationale Normen vorantreiben (ISO, CEN). Deutschland müsse auch in dieser Hinsicht aufholen, sonst definierten bald andere Länder die BIM-Normen für Deutschland. Sowohl Prof. Rasso Steinmann, u. a. Leiter des VDI-Koordinierungskreises BIM, als auch Dr. Thomas Liebich, u. a. Obmann im “DIN-Arbeitsausschuss BIM”, unterstrichen in ihren Vorträgen und Diskussionsbeiträgen diese Notwendigkeit. Die Unternehmen in Deutschland forderten sie auf, sich unbedingt auf nationaler Ebene zu engagieren.

„Little BIM“ dominiert die Praxis

Bei den zahlreichen vorgestellten Praxisbeispielen wurde deutlich: BIM spielt bei Planern, Bauunternehmern und Facility Managern tatsächlich eine immer größere Rolle, bleibt aber in der Regel auf einzelne Teilleistungen oder einzelne Phasen im Lebenszyklus eines Bauwerks beschränkt. Das eine große, durchgängige „Big BIM“-Vorzeigeprojekt gibt es noch nicht. Die Ergebnisse der derzeit laufenden BIM-Pilotprojekte werden daher ungeduldig erwartet.

Aktueller Stand beim Förderprojekt BIMiD

Das von buildingSMART mitinitiierte BMWi-Förderprojekte BIMiD war dann auch mit zwei Vorträgen vertreten. Peter Noisten vom Konsortialführer Fraunhofer IBP berichtete kurz über den aktuellen Stand der beiden Referenzobjekte und stellte den in den letzten Monaten definierten und in Workshops beim zentralen BIM-Referenzobjekt der Volkswagen Financial Services AG in Braunschweig überprüften BIM-Referenzprozess vor. Gemeinsam mit Vertretern des AHO  „Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e.V.“) ist für die nahe Zukunft die Veröffentlichung dieser Prozess-Maps geplant. Dr. Thomas Liebich, der mit seinem Beratungsunternehmen AEC3 Deutschland ebenfalls BIMiD-Projektpartner ist, widmete seinen Vortrag der Definition und Prüfung von Detaillierungsgraden bei der Anwendung von BIM. Anstelle des häufig verwendeten „Level of Detail“ favorisiert er die
Unterscheidung in „Level of Geometry“ und „Level of Information“ die beide für jeden Anwendungsfall separat ausgehandelt werden müssten.

Bauherren als BIM-Treiber

Vorträge von Bauherrnseite sind immer von besonderem Interesse – schließlich gelten Auftraggeber und Betreiber als größte Nutznießer von BIM und als treibende Kraft für die möglichst breite Anwendung („Pull-Faktor“). Thorsten Baum von der Deutsche Bahn AG zeigte, welche große Rolle dem Planen mit BIM im Rahmen der aktuellen Unternehmensstrategie „DB2020“ zukommt. Planung, Bauausführung und der Betrieb der Strecken, Anlagen und Bahnhofsgebäude mit Hilfe von BIM hat mittlerweile allerhöchste Priorität im Unternehmen. Annette von Hagel von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben lenkte das Augenmerk auf einen ganz anderen Aspekt: Den sich immer weiter verschärfenden Auflagen bezüglich Energieverbrauch und Recyclingfähigkeit von Immobilien sei gar nicht mehr anders beizukommen als mit digitalem Informationsmanagement. Das gelte für den Neubau genauso wie für den immensen Gebäudebestand.

Der Faktor Mensch

Dass ein ganz wesentlicher Aspekt bei der erfolgreichen Anwendung der BIM-Methode der Faktor Mensch ist, gilt längst ein Gemeinplatz. Aber wie gewinnen Mitarbeiter mehr BIM-Kompetenzen? André Pilling erläuterte in seinem Vortrag das Weiterbildungskonzept der DeuBIM-Akademie, die sich jüngst mit AEC3 Deutschland GmbH zu einer strategischen Partnerschaft zusammengeschlossen hat. Ihre Aufgabe sieht die Akademie darin, Mitarbeiter aus Planungs-, Bau- und Immobilienunternehmen in berufsbegleitenden Seminaren und Workshops für BIM fit zu machen. Dabei hat sich die DeuBIM ganz ausdrücklich „Open BIM“ auf die Fahnen geschrieben.

Gunther Wölfle, buildingSMART e.V.