Reimar Leschber
Am 23. November 2004 wurde Herr Dr.-Ing. Reimar Leschber anlässlich eines vom Umweltbundesamt und dem DIN Deutsches Institut für Normung e. V. ausgerichteten Ehrenkolloquiums mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, verlieh Dr. Lescher die Auszeichnung für seine Verdienste bei der Umsetzung umweltrelevanter Anforderungen in der Bestimmung von wasser- und bodengefährdenden Stoffen in die nationale und internationale Normung. «Bei der Entwicklung dieser Verfahren hat sich Reimar Leschber unschätzbare Verdienste erworben – und damit seinen Teil zum Schutz der Umwelt beigetragen», sagte Prof. Dr. Andreas Troge.
Dr.-Ing. Reimar Leschber wurde am 20. Juni 1929 in Berlin geboren. Nach dem Studium der Chemie in Berlin und der Promotion über das Thema «Zur Analytik biogener Amine» war er zunächst von 1958 bis 1960 bei der Schering AG in Berlin mit der Entwicklung von Hochpolymeren beschäftigt. Anschließend war Dr. Leschber mit der Arzneimittelsynthese in der Fa. Riedel-de Haen befasst. Von 1963 bis 1993 war Dr. Leschber Mitarbeiter im Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene, das er als stellvertretender Institutsdirektor verließ.
Zu seinen herausragenden Aufgaben in dieser Zeit gehörte die Beratung des Bundesministeriums des Innern bei der Vorbereitung der Phosphathöchstmengenverordnung und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit bei der Vorbereitung der geltenden Klärschlammverordnung. In den Jahren 1970 bis 1990 hatte er den Vorsitz der Arbeitsgruppe «Analytische Methoden» der konzertierten Aktionen COST 68 (COST = European Co-Operation in Scientific and Technological Research) und COST 681 der Europäischen Kommission zur Behandlung und Verwertung von Klärschlamm. Dabei ging es um die Untersuchung von Böden und Klärschlämmen im Rahmen der Erarbeitung der Europäischen Richtlinie 86/278/EWG über den Schutz der Umwelt und hier insbesondere um die Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft.
In der Normung ist Dr. Leschber seit Mitte der 70er Jahre tätig. Zunächst als Mitarbeiter und ab 1979 als Obmann des UA 5 «Schlamm und Sedimente» im Arbeitsausschuss «Wasseruntersuchung» des Normenausschusses Wasserwesen (NAW) , dem er seit August 1979 bis heute auch als Mitarbeiter angehört. Im Rahmen dieser Tätigkeit ist Dr. Leschber als deutscher Experte in verschiedenen Gremien des ISO/TC 147 «Wasserbeschaffenheit» tätig. Mit Beginn der Normungsarbeiten im Bereich der Untersuchung von Böden übernahm Dr. Leschber 1987 die Obmannschaft des damaligen NAW VI 1 «Bodenbeschaffenheit». Seither ist er Leiter der deutschen Delegation zu den Sitzungen des ISO/TC 190 «Bodenbeschaffenheit» sowie Vorsitzender des ISO/TC 190/SC 3 «Chemische Methoden und Bodenkennwerte». Mit Beginn der europäischen Normungsarbeiten zur Untersuchung von Schlämmen im CEN/TC 308 übernahm Dr. Leschber den Vorsitz der Arbeitsgruppe «Analysenverfahren» und stellt als Liaison-Officer die Verbindung zum CEN/TC 292 «Charakterisierung von Abfällen» sicher. Mit Beginn der europäischen Normungsarbeiten zur Charakterisierung von Böden ist Dr. Leschber auch Mitglied der deutschen Delegation im CEN/TC 345 «Charakterisierung von Böden».
Im Zuge des europäischen Forschungsvorhabens «HORIZONTAL», das die Erarbeitung matrixübergreifender Untersuchungsverfahren für Böden, Schlämme und Bioabfälle zum Ziel hat, koordiniert Dr. Leschber Aufgaben im Bereich der organisch-analytischen Arbeitsthemen. Er ist in diesem Zusammenhang auch Mitglied der deutschen Delegation zur Task Force TF 151 «Horizontal» des CEN.
Dr. Leschber ist Leiter des Fachbereichs I «Umwelt (Abfall, Boden, Wasser)» im Normenausschuss Wasserwesen (NAW) im DIN und stellvertretender Vorsitzender im Beirat des NAW.
Im Rahmen des Ehrenkolloquiums nahmen Fachkollegen die Gelegenheit wahr, aktuelle Entwicklungen aus der Boden-, Abfall- und Schlammuntersuchung im Zusammenhang mit den gegenwärtigen europäischen Entwicklungen in der Bodenschutz- und Abfallgesetzgebung darzustellen, an denen Dr. Reimar Leschber in seinen diversen Funktionen in vielfältiger Weise beteiligt war und noch beteiligt ist.