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Standards für BIM

5 Fragen an Christine Proksch

Als Architektin und Gesamtprojektleiterin für die DIN-Gebäudestrategie hat Christine Proksch maßgeblich zur erfolgreichen Kernsanierung und zum Umbau des DIN-Hauptsitzes in Berlin beigetragen. Dabei hat sie auch mit Building Information Modeling und der DIN BIM Cloud gearbeitet – wir stellen ihr dazu 5 Fragen.

1. Was ist BIM für Sie?
BIM scheint hier und da ja immer noch relativ komplex oder gar kompliziert daherzukommen – für mich ist BIM einfach Dokumenten- bzw. Informationsmanagement in einem 3D-Modell oder einer 2D-Zeichnung.

2. Wie haben Sie BIM und die DIN BIM Cloud eingesetzt?
Mein Auftrag war es, ein As-Built-BIM-Modell des neuen Gebäudes zu erstellen. Als ich erkannt habe, wie genial einfach die DIN BIM Cloud das Arbeiten mit BIM macht, habe ich mit den Projektbeteiligten festgelegt, das Modell für unser – ebenfalls neues – CAFM (Computer Aided Facility Management) zu nutzen und die erfassten Daten dort einzuspielen.

3. Welche Erfahrungen haben Sie dabei mit der DIN BIM Cloud gemacht?
Ohne die DIN BIM Cloud wäre das Projekt nicht so erfolgreich gelaufen, vermutlich sogar gescheitert. Die klar strukturierte, sehr umfassende Datenbank – die Daten entsprechen dem Standard Leistungsbuch Bau – und die von uns initiierte und umgesetzte Erweiterung um FM-relevante Daten haben DEN Aha-Effekt bei den Projektbeteiligten gebracht. BIM war damit ganz einfach.

4. Was hat Ihnen persönlich die Arbeit mit der DIN BIM Cloud konkret gebracht?
Die Erkenntnis, dass BIM ganz einfach ist und nicht die Raketenwissenschaft, die von vielen Beratern daraus gemacht wird.

5. Was kann das für ein Bau-Projekt bedeuten?
Unglaublich viel. Was bisher mühsam in unzähligen Kisten und Speichermedien an Dokumentation und Information gesammelt wird – und nicht gefunden wird, wenn man es braucht, ist zentral im Modell hinterlegt. Die Aktualisierung von Daten und Informationen – neben den üblichen Baudaten z. B. auch zu Nachhaltigkeit, Umweltrelevanz etc. – findet zentral statt. So können viele Fehler und Kosten vermieden werden.

BIM in der Praxis – die DIN BIM Cloud

Für das Gelingen einer offenen Methode BIM (Building Information Modeling) kann auf eine Standardisierung von Schnittstellen, Datenstrukturen, Klassifizierungssystemen und dergleichen durch Normen und Regelwerke nicht verzichtet werden. Aber auch im Hinblick auf das „I“ in BIM, also die auszutauschenden Informationen selbst, kann Standardisierung unterstützen, Prozesse wesentlich zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Die Objekte in einem BIM-Modell müs­sen, abhängig von der notwendigen Informationstiefe, mit sinnvollen und eindeutigen Merkmalen und Attributen versehen werden, damit aus einem reinen 3D-Gebäudemodell ein BIM-Datenmodell werden kann. Es ist dabei davon auszugehen, dass im Zusam­menhang mit Objekten oder Bauteilen, welche häufig bei Baumaßnahmen zur Ausführung kommen oder bereits in Gebäuden vorhanden sind, beispiels­weise einer Mauerwerkswand aus Hochlochziegeln, regelmäßig dieselben Merkmale und Attribute eingetragen und von den Beteiligten benötigt wer­den.

Hier hat DIN bereits Ende 2019 erfolg­reich die Plattform DIN BIM Cloud zur Verfügung gestellt, eine Datenbank mit frei verfügbaren standardisierten Merk­malen und Attributen zur Übernahme in BIM-Modelle. Diejenigen, die in ent­sprechenden Projekten Datenmodelle mit relevanten Informationen anrei­chern, müssen hier nicht jedes Mal aufs Neue entscheiden, wie Merkmale und/oder Attribute bezeichnet werden müssen, damit sie eindeutig sind und damit alle Beteiligten die Information im gleichem Sinne verstehen, son­dern können die in der DIN BIM Cloud enthaltenen Daten nutzen und damit arbeiten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mit DIN in einen Dialog zu treten, wenn vorhandene Daten aus Sicht der Nutzer nicht vollständig oder technisch unzureichend sind und auch dann, wenn häufig notwendige Informa­tionen schlicht fehlen.

Standardisierung von Merkmalen und Attributen – seit Jahren Realität bei DIN

Woher kommen aber nun die Daten und was hat DIN überhaupt mit dieser Thematik zu tun? Der elektronische Austausch von Daten ist tatsächlich ein Thema, welches seit über 20 Jahren bei DIN im Normenausschuss Bauwesen (NABau) beheimatet ist, denn DIN er­stellt gemeinsam mit den Gremien des GAEB seit 1996 Musterleistungstexte für Ausschreibungen, die den Anforde­rungen der öffentlichen Bauauftrags­vergabe entsprechen. Die Abkürzung GAEB steht für „Gemeinsamer Aus­schuss für Elektronik im Bauwesen“ und ist einer von 4 Hauptausschüssen im Deutschen Vergabe- und Vertrags­ausschuss für Bauleistungen (DVA), der auch für die Erstellung und Pflege der VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen verantwortlich ist.

Die angesprochenen Musterleistungs­texte werden mit dem digitalen Produkt STLB-Bau der Öffentlichkeit verfügbar gemacht und können über eine Schnitt­stelle in Softwareprogramme für Aus­schreibung, Vergabe und Abrechnung (AVA-Programme) integriert und ge­nutzt werden. Die Textsystematik von STLB-Bau arbeitet seit jeher mit Merk­malen und Attributen, daher war eine Nutzbarmachung für BIM-Wertschöp­fungsketten ein logischer Schritt.

Mit der Bereitstellung der DIN BIM Cloud wurde dieser Schritt praktisch umgesetzt. Als Datengrundlage dienen hier die Musterleistungstexte aus STLB-Bau und durch die Anwendung der DIN SPEC 91400 „BIM-Klassifika­tion nach STLB-Bau“ wird eine Nut­zung für BIM-Modelle ermöglicht. Auf der Grundlage von qualitativ hochwer­tigen und sehr umfangreichen Bauteildaten aufbauend, können in der DIN BIM Cloud zukünftig diverse, bisher nicht abgedeckte Anwendungsfälle er­gänzt und abgebildet werden.

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Man kann also festhalten, dass BIM mit der Textstruktur von STLB-Bau für den Anwendungsfall Ausschreibung bereits „vorgedacht“ wurde. Ebenso lässt sich feststellen, dass DIN bereits seit fast 20 Jahren Expertise im Stan­dardisieren von Merkmalen und Attri­buten besitzt.

Wir bei DIN verstehen die DIN BIM Cloud als aktiven Beitrag, um die Methodik BIM im Bauwesen zu etablie­ren und freuen uns, hierüber mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen, voneinander zu profitieren und in eine gemeinsame Richtung voranzugehen.

Autor:
Andreas Frisch, Teamkoordinator für den Bereich GAEB/VOB im DIN-Normenausschuss Bauwesen (NABau) und Ansprechpartner für die DIN BIM Cloud.

Die DIN BIM Cloud in der Anwendung