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Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Krankheitsrisiken mindern, Unfälle verhindern: ISO 45001 führt Arbeitsschutz und betriebliches Gesundheitsmanagement zusammen.

Erste Schritte zum Aufbau eines SGA-Managements nach DIN ISO 45001

Lösungen für ein zuverlässiges Arbeitssicherheits- und Gesundheitsschutzmanagement – mit Checkliste für Führungskräfte und Sicherheitsbeauftragte

von Gjergj Dojani und Dr. Grit Reimann


Arbeits- und Gesundheitsschutz ist eine wesentliche Führungsaufgabe. Die Gesunderhaltung der Mitarbeiter zu fördern, rechtliche Anforderungen für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz einzuhalten und mögliche Gefährdungen auszuschließen, gewinnt vor dem Hintergrund eines sich verengenden Arbeitsmarkts immer mehr an Bedeutung. Managementsysteme helfen dabei, die Anforderungen seitens Gesetzgeber, der Berufsgenossenschaften, Gewerbeaufsichtsämter, Auftraggeber und Beschäftigten auf systematische und zuverlässige Weise zu sichern.

Internationale Richtschnur

Mit der Veröffentlichung eines nunmehr internationalen Standards zu Sicherheit, Gesundheits- und Arbeitsschutz, der ISO 45001, wird der Versuch unternommen, diesem umfassenden Thema eine noch stärkere Aufmerksamkeit zu geben und einheitliche Standards weltweit zu etablieren. Jetzt steht die DIN ISO 45001:2018 mit anderen ISO-Managementsystemnormen auf einer Ebene. Damit finden Akkreditierungs- und Normanforderungen der ISO (International Organization for Standardization) und des IAF (International Accreditation Forum) internationale Anwendung. Diese Anforderungen regeln weltweit unter anderem die Zulassungskriterien für Auditoren wie auch die praktische Durchführung von Audits und die Zertifizierung von Organisationen. DIN ISO 45001-Zertifikate genießen erst jetzt denselben Stellenwert wie Zertifikate anderer Managementsystemnormen.

Gesundheit und Sicherheit bei der Arbeit

Einheitliches Vorgehen

Die DIN ISO 45001:2018-06 und der dazugehörige Leitfaden im Anhang sind eine Norm für den Aufbau und die Aufrechterhaltung eines anerkannten Managementsystems für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Für die Managementsystemnormen wurde die sogenannte High Level Structure entwickelt. Darin sind Normabschnitte und Kerntexte für die Konzipierung von Managementsystemen verbindlich festgelegt. Daher ist die DIN ISO 45001 kompatibel zu den bereits international etablierten Managementsystemen für Qualität (DIN EN ISO 9001) und Umweltschutz (DIN EN ISO 14001). Eine Integration in bestehende Managementsysteme ist somit gegeben.

DIN ISO 45001 legt Anforderungen an ein Managementsystem für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit fest. Diese gliedern sich in zehn Normabschnitte, die teilweise mit Unterpunkten versehen sind:

  1. Zweck
  2. Normativer Verweis
  3. Definitionen
  4. Kontext der Organisation
  5. Führung und Konsultation
  6. Planung
  7. Unterstützung
  8. Betrieb
  9. Analyse
  10. Verbesserung


Die DIN ISO 45001 stellt mit der Orientierung an der High Level Structure, der für alle Managementsysteme verbindlichen Gliederung, neue Anforderungen in den Fokus. Sie betreffen insbesondere die Sondierung des Kontexts der Unternehmung in Verbindung mit der Identifizierung der interessierten Parteien, deren Erwartungen und den mit ihnen verbundenen Chancen und Risiken.

Kontext des Unternehmens

Der Begriff „Kontext“ lässt sich einfacher als Beziehungsgefüge oder Beziehungsgeflecht umschreiben, in dem ein Unternehmen agiert. Die Definition des Kontexts ist der wesentliche Ausgangspunkt für die Gestaltung des Managementsystems und die Festlegung seiner Grenzen. In der Regel wird folgendes Vorgehen zur Aufstellung des Kontexts der Organisation gewählt:

  • Bestimmung externer und interner Themen
  • Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen von Beschäftigten und anderen interessierten Parteien
  • Festlegung des Anwendungsbereichs des SGA-Managementsystems
  • Konzeption und Aufbau des SGA-Managementsystems

Bei der Sondierung des Kontextes wird die Organisation aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, um den Regelbedarf und Freiheitsgrade der Organisation zu ermitteln.

 Sondierung des Kontextes der Organisation:

Regelungsbedarf + Freiheitsgrad = Managementsystem

Der erste Schritt

Das Verstehen der Organisation und ihres Kontextes ist der erste Schritt zum Aufbau eines SGA-Managementsystems. Denn davon leiten sich die ersten Ansätze ab, um ein angemessenes und wirksames Managementsystem zu etablieren. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist die Basis für die Definition des Anwendungsbereichs eines SGA-Managementsystems und damit entscheidend für die Planung der Umsetzung.

Um Kenntnisse über die Organisation und ihren Kontext herauszuarbeiten, müssen Themen definiert werden, die für die Organisation von Relevanz sind.

Wir unterscheiden externe und interne Themen, die eine Auswirkung auf die SGA-Ergebnisse der Organisation haben oder haben könnten:

Externe Themen + Interne Themen = Auswirkung = SGA-Ergebnisse der Organisation

Dabei bleibt zu berücksichtigen, dass externe und interne Themen sowohl negative als auch positive Auswirkungen auf die SGA-Ergebnisse der Organisation haben können. Die folgenden Fragen sollen helfen, Themen hinsichtlich ihrer Relevanz zu bewerten (also wichtige von unwichtigen Themen zu unterscheiden).

Um die Inhalte des Managementsystems systematisch zu erfassen, helfen Ihnen zwei umgangssprachliche Formulierungen. Immer, wenn Sie sagen können

  • „Das ist für uns ein Thema“ oder
  • „Es muss geregelt werden“

haben Sie einen wichtigen Punkt identifiziert, den Sie in Ihre Planung aufnehmen müssen.

Managementnormen online

Managementsysteme helfen Unternehmen, effizienter und transparenter zu arbeiten. Mit unserem Online-Dienst behalten Sie die Übersicht über die führenden, weltweit anerkannten Managementsystemnormen, zum Beispiel DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und DIN ISO 45001 (Arbeitssicherheits- und Gesundheitsmanagement).

Checkliste – Sicherheit, Gesundheit und Arbeitsschutz
  • Um die Inhalte des Managementsystems systematisch zu erfassen, helfen Ihnen zwei umgangssprachliche Formulierungen. Immer, wenn Sie sagen können

    • „Das ist für uns ein Thema“ oder
    • „Es muss geregelt werden“

    haben Sie einen wichtigen Punkt identifiziert, den Sie in Ihre Planung aufnehmen müssen.

  • Ist-Zustand

    Sozioökonomisches Umfeld (kulturelles, soziales, politisches, gesetzliches, finanzielles, technologisches, wirtschaftliches und natürliches Umfeld, sowie Wettbewerb: international, national, regional, lokal)

    • In welchem Umfeld bewegt sich die Organisation?
    • Was sind die kulturellen Rahmenbedingungen?
    • Gibt es gesetzliche Rahmenbedingungen, die meine Tätigkeiten und Dienstleistungen betreffen?
    • Wie ist die finanzielle Lage des Unternehmens?
    • Welche Technologien kommen zum Einsatz?
    • Wie ist das „natürliche“ Umfeld des Unternehmens?
    • Wie ist der Wettbewerb aufgestellt – international, national, regional oder lokal?

    Veränderungen

    Veränderung des Marktumfeldes, Technologie; Gesetze und neue Berufsfelder

    • Welche Veränderungen stellen sich im Markt ein?
    • Gibt es neue Wettbewerber?
    • Gibt es neue Auftragnehmer?
    • Gibt es neue Lieferanten?
    • Gibt es neue Partner und Anbieter?
    • Hat sich die Gesetzeslage geändert?
    • Entstehen neue Berufsfelder?

    Wissenschaft und Forschung

    Neues Wissen von Produkten über ihre Auswirkung auf die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten

    • Gibt es neues Wissen über Produkte, die ich einsetze?
    • Gibt es Kenntnisse über die Auswirkung dieser Produkte auf die Sicherheit oder die Gesundheit von Beschäftigten?
    • Gibt es neue Grenzwerte?
  • Führung
    Organisationsstruktur, Rechenschaftspflichten, Rollen

    • Wie ist die Firmenhierarchie?
    • Wie sind die Verantwortlichkeiten im Unternehmen geregelt?
    • Wer ist im Falle eines Falles verantwortlich (Rechenschaftspflicht)?
    • Gibt es klare Rollen im Arbeitsschutz?

    Strategie

    Politik, Ziele, Programme, Strategien

    • Gibt es eine Arbeitsschutzstrategie?
    • Gibt es eine Unternehmenspolitik, und enthält diese eine Aussage zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit?
    • Arbeitet man mit Programmen und Strategien?
    • Werden Ziele formuliert (generell)?
    • Gibt es ein Kennzahlensystem?

    Information

    Informationssysteme, Informationsflüsse und Entscheidungsfindungsprozesse (förmlich und formlos)

    • Wie sind die Informationsflüsse?
    • Wie findet der Entscheidungsfindungsprozess statt?
    • Gibt es einen formalen oder einen formlosen Prozess?
    • Sind alle relevanten Verantwortungsträger eingebunden?
    • Welche Systeme (nicht nur IT-Systeme, sondern auch Besprechungen, Verbesserungssysteme) gibt es?

    Einführung und Neuerungen

    Neue Produkte und Werkstoffe, Dienstleistungen, Arbeitsmittel, Software, bauliche Anlagen und Ausrüstung

    • Sind Neuerungen geplant?
    • Gibt es Änderungen von bestehenden oder Einführung von neuen Produkten und Werkstoffen, Dienstleistungen, Arbeitsmitteln, Software, baulichen Anlagen und Ausrüstungen?

    Beschäftigte

    Das Verhältnis zu den Beschäftigten, deren Wahrnehmung und Werte

    • Wie ist das Verhältnis zu Beschäftigten (oder Betriebsrat)?
    • Gibt es besondere Themen bezüglich Werten oder Wahrnehmung der Beschäftigten?
    • Sind Mitarbeiterbefragungen geplant?

    Unternehmenskultur

    • Wie ist die Unternehmenskultur, eher hierarchisch oder eher flach?
    • Wie wird mit dem Thema Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit umgegangen?

    Vertragsverhältnisse

    Form, Ausmaß inkl. ausgegliederter Tätigkeiten

    • Gibt es Betriebsvereinbarungen?
    • Wie steht es mit Werkverträgen?
    • Sind Leiharbeitnehmer beschäftigt?

    Arbeitszeitvereinbarungen

    • Gibt es besondere Arbeitszeitregelungen und -vereinbarungen (Schicht, kontinuierlicher Betrieb, Bereitschaft etc.)?

    Arbeitsbedingungen

    Gibt es besondere Arbeitsbedingungen (gefährliche Tätigkeiten, unter Tage, Außendienst etc.)?

Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Checkliste

Führung

Besonderes Augenmerk wird auf die Verpflichtung des Managements gelegt, Arbeits- und Gesundheitsschutz zum Erfolg zu führen, indem er in die tägliche Praxis integral überführt wird. Auszugsweise soll dargestellt werden, wie stark und weitreichend die Verantwortung der obersten Leitung in dieser Norm verankert wird:

Verpflichtung der Geschäftsführung zum SGA-Managementsystem

Die Verantwortung für die Unternehmenspolitik, die Schaffung der Voraussetzungen für ihre Verwirklichung und die Verpflichtung der Mitarbeiter auf die Unternehmenspolitik obliegt den Geschäftsführern. Sie zeichnen für den Erfolg des integrierten Managementsystems verantwortlich. Die Geschäftsführung nimmt dazu folgende Managementaufgaben wahr:

  • Festlegung, Dokumentation und Schaffung der Voraussetzungen zur Verwirklichung der Unternehmenspolitik und des integrierten Managementsystems
  • Integration des integrierten Managementsystems in die tägliche Praxis
  • Festlegung der Verantwortung und Befugnisse der Mitarbeiter
  • Bestellung der Beauftragten des Unternehmens
  • Unterstützung der Führungskräfte bei der Durchsetzung des Managementsystems
  • Veranlassung der Entwicklung, Dokumentation, Aufrechterhaltung und kontinuierlichen Verbesserung des Managementsystems
  • Entwicklung einer Unternehmenskultur, die den offenen Umgang mit sicherheitskritischen Situationen und Schwachstellen im Unternehmen fördert und Repressalien für die Meldung solcher Missstände ausschließt
  • Unterstützung und Förderung der Beteiligung aller Mitarbeiter bei der Umsetzung des integrierten Managementsystems
  •  Sicherstellung der Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen
  • Freigabe der Managementdokumente
  • Bereitstellung der erforderlichen Mittel und des Personals zur Verwirklichung des Managementsystems
  • Festlegung erforderlicher Korrektur- und Vorbeugungsmaßnahmen
  • Veranlassung der regelmäßigen Überwachung der Wirksamkeit des Managementsystems durch interne Audits
  • planmäßige Durchführung von Managementreviews
  • Gewährleistung eines ständigen Verbesserungsprozesses

Damit wird ein Zeichen gesetzt, in welchem Maße die oberste Leitung den eigentlichen Umsetzungs- und Durchdringungsgrad von Arbeits- und Gesundheitsschutz im Arbeitsleben bestimmen kann.

Beteiligung

Anders als in den Vorgängernormen (BS OHSAS:18001) oder parallel bestehenden Managementsystemen, z. B. SCC, wird besonderer Wert auf die Mitbestimmung und Beratung der Beschäftigten gelegt. In Deutschland wird diese Mitbestimmung bereits durch die Mitwirkung in Arbeitsschutzausschüssen, in der Übernahme von Sicherheitsfunktionen wie der des Sicherheitsbeauftragten, Brandschutzhelfers, der gesetzlich Beauftragten, z. B. für Strahlenschutz oder Brandschutz, durch die Arbeit der Betriebsräte usw. sichergestellt.

Fortlaufende Verbesserung

Die ISO 45001 folgt dem Wirkprinzip des Plan-Do-Check-Act-Zyklus und stellt darüber eine fortlaufende Verbesserung der Leistungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz sicher.

Fazit

Ein Managementsystem für Arbeits- und Gesundheitsschutz kann sich als hilfreich erweisen, um Aufgaben, Vorhaben, Forderungen, Gesetze, Risiken, Pflichten und Verantwortlichkeiten zu adressieren und die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen. Da auch Arbeitsschutz-Managementsysteme einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess unterliegen, kann von einer dauerhaft positiven Veränderung der Leistungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz ausgegangen werden. In einer sicheren und gesunden Arbeitsumgebung sind die Mitarbeiter motivierter und engagierter, was sich in der Qualität der Leistungen und Produkte widerspiegelt. Es wird eine höhere Rechtssicherheit für Vorgesetzte und Mitarbeiter erreicht; damit erhöht sich auch der Schutz des Unternehmens, der Marke und des Images.

Fortbildungen zum Thema Management und Qualität

Hier finden Sie Termine zu aktuellen Seminaren, Tagungen oder Workshops der DIN Akademie rund um das Thema Management und Qualität.

Publikationen

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Normen

Norm 2018-06

DIN ISO 45001:2018-06
Managementsysteme für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung (ISO 45001:2018); Text Deutsch und Englisch

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ab 150,37 EUR exkl. MwSt.

Norm 2018-10

DIN EN ISO 19011:2018-10
Leitfaden zur Auditierung von Managementsystemen (ISO 19011:2018); Deutsche und Englische Fassung EN ISO 19011:2018

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