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ISO 50001 – der Standard für Energiemanagementsysteme

Mit ISO 50001 können Unternehmen nachhaltig ihre Energieeffizienz verbessern. Die internationale Norm für Energiemanagementsysteme beschreibt, wie sich Energieflüsse systematisch erfassen, kontrollieren und steuern lassen. Auf diese Weise hilft der Standard dabei, Einsparpotenziale zu erkennen und Energiekosten niedrig zu halten.

Ein Meilenstein im Energiemanagement – die neue ISO 50001:2018

von Dr. Grit Reimann

Das Thema Energieeffizienz bewegt alle Unternehmen. Viele Maßnahmen zur Energieeinsparung werden innerbetrieblich etabliert. Für die Zertifizierung eines Energiemanagements (EnMS) nach ISO 50001 reicht dies allein jedoch nicht aus. Die Anforderungen der ISO 50001 setzen nicht nur auf die Umsetzungsseite, sondern beschreiben auch ein systematisches Vorgehen zur Aufdeckung von Energieeffizienzpotenzialen, den methodischen Zugang zur Organisation eines Energiemanagements und vor allem die Dokumentation und Aufzeichnungsführung.

Mit der stark überarbeiteten ISO 50001:2018 ergibt sich der Anschluss an alle bisher revidierten Normen (ISO 9001:2015, ISO 14001:2015, ISO 45001:2018) und an die High Level Structure, eine für alle ISO-Normen einheitliche Gliederung. Damit wird der Grundstein für eine praktikable Integration des Energiemanagementsystems in bestehende Managementsysteme gelegt.

Hier ein Überblick über die einheitlichen und verbindlichen Gliederungen aller revidierten ISO-Normen (die Abschnitte 1 bis 3 enthalten allgemeine Hinweise):

High Level Structure

4. Kontext der Organisation

5. Führung

6. Planung

7. Unterstützung

8. Betrieb

9. Bewertung der Leistung

10. Verbesserung

Auf den Kontext kommt es an – das Energiemanagementsystem im PDCA-Zyklus

Wie andere Managementsystemnormen folgt auch die ISO 50001:2018 dem PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act – also Planen, Umsetzen, Kontrollieren und Agieren), dem für Qualitätssicherung grundlegenden Prozessablauf.

Energiemanagement nach ISO 50001 im PCDA-Zyklus

Änderungen betreffen vor allem die Einordnung des jeweiligen Unternehmens in seinen Kontext.

Unternehmen agieren in rechtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, werden beeinflusst von technischen Änderungen und sozialen Beziehungsgefügen. Die Identifizierung der interessierten Parteien – darunter Gesetzgeber, Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Hauptzollamt, Energieversorger, Anteilseigner, Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden – sowie deren Erwartungshaltungen ermöglicht es dem Unternehmen, interne Maßnahmen zu treffen, um rechtliche und bindende Verpflichtungen sowie Interessenlagen zu berücksichtigen.

Beispiele für interessierte Parteien und ihre Erwartungshaltungen:

Interessierte Partei

Erwartungshaltung

Gesetzgeber

Umsetzung der Rechtsforderungen

BAFA

betriebliche Umsetzung der Anforderungen aus den BAFA-Merkblättern, z. B. Messen und Schätzen, Abgrenzung der Eigen- und Fremdverbräuche

Energieversorger

Erfüllung der Vertragsbedingungen, kontinuierliche Abnahme von Energie

Anteilseigner

geringe Energiekosten, Vermeidung energetischer Verschwendung, Erzielen der besonderen Ausgleichsregelung

Auf der Grundlage der identifizierten Erwartungshaltungen interessierter Parteien werden vom Unternehmen Risiken und Chancen für die Umsetzung abgeleitet. Die Risiko- und Chancenbetrachtung erfordert eine systematische Vorgehensweise, zumeist unter Anwendung einer FMEA (Failure Mode and Effects Analysis), mit der sich mögliche Fehler und ihre Auswirkungen erkennen lassen. Dabei zeigt sich auch, welche innerbetrieblichen Prozesse, Verantwortlichkeiten und Ressourcen (finanziell, personell) abzubilden sind. Mit der Gewichtung der Risiken gelingt es zudem, Prioritäten abzuleiten.

Besser planen, genauer messen: Energiekennzahlen in der
ISO 50001

Unter Berücksichtigung identifizierter Risiken und Chancen werden in der neuen Fassung der ISO 50001 stärker als bisher Planungsprozesse in den Vordergrund gerückt. Mit der Planung der Energiedatensammlung soll vorweggenommen werden, welche Messungen an welcher Stelle im Prozess, an welchen Anlagen usw. notwendig sind, um aussagekräftige Energiekennzahlen zu erzielen, die die Voraussetzung für die Ableitung von Energieeinsparmaßnahmen bilden. Wurden bisher lediglich Gesamtverbräuche der Energieträger (Strom, Gas, Diesel usw.) oder Energieverbräuche in Hallen, für Verteilungen und Unterverteilungen messtechnisch erfasst, geht es jetzt primär um die Messung der anlagenbezogenen Verbräuche bis hin zur Untergliederung von Anlagen in Einzelverbraucher. Das Vorgehen dient dem Ziel, die (Einzel-)Verbraucher mit wesentlichem Energieeinsatz (significant energy use, SEU) zu erkennen – denn sie besitzen auch ein entsprechendes Einsparpotenzial. Je detaillierter die Messungen erfolgen, desto konkreter ist die Ableitung von gezielten Energieeinsparmaßnahmen. Weiterhin dient dieses Vorgehen dazu, Fortschritte in der Verbesserung der energiebezogenen Leistung des Unternehmens sichtbar zu machen.


Anlagebezogene Verbrauchsmessung für aussagekräftige Energiekennzahlen

Planungsprozesse umfassen daher die Aufstellung bzw. Erweiterung des Messstellenkonzepts mit der Übersicht über die Stellen, an denen Energieverbräuche gemessen werden und der Zählertechnik, die dafür verbaut wurde.

Aus den eruierten Einsparpotenzialen speisen sich die Energieziele des Unternehmens, die im Ergebnis sicherstellen müssen, dass sich die energiebezogene Leistung des Unternehmens verbessert. Eine solche Verbesserung ist die wesentliche Voraussetzung dafür, eine Zertifizierung nach ISO 50001:2018 zu erhalten. Ist keine Verbesserung erkennbar, weil beispielsweise energetische Verbesserungen gegenüber den Verbräuchen zu gering sind, kann nicht von einer erfolgreichen Implementierung eines EnMS ausgegangen werden.

Das Energieteam ersetzt den Energiemanagementbeauftragten

Die Verantwortung für das Gelingen des Energiemanagementsystems wird direkt bei der Geschäftsleitung angesiedelt. Sie stellt die Weichen für notwendige Ressourcen und die Verfolgung von Energieprojekten. Den Energiemanagementbeauftragten im Sinne der alten Norm gibt es nicht mehr. Richtigerweise wird die Umsetzung des Energiemanagements auf die Schultern der Führungskräfte verteilt. Sie bilden in der Regel das Energieteam, das die Ziele und Projekte im EnMS verfolgt. Nur die Führungskräfte können Energiemanagement in den Unternehmensalltag integrieren.

Viele Unternehmen sind motiviert, Energiemanagementsysteme umzusetzen – weil sie die Möglichkeit haben, eine besondere Ausgleichsregelung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu erzielen. In den vergangenen Jahren haben sich die Voraussetzungen für die Antragstellung sichtlich verschärft. Die für die Antragstellung notwendigen Voraussetzungen werden durch die sogenannten BAFA-Merkblätter geregelt, die im Detail anerkannte Vorgehensweisen beschreiben. In diesem Jahr waren Unternehmen vor allem von dem Thema Abgrenzung von Eigen- und Fremdverbräuchen getrieben. Die zunehmend fortschreitende Personalknappheit kann mit den teilweise absurden Forderungen nicht mithalten. Beispielsweise sollen Getränke- und Snackautomaten messtechnisch erfasst werden, unabhängig davon, in welchem Verhältnis diese Verbräuche zu den Gesamtverbräuchen des Unternehmens stehen. Der sich hier entwickelnde Aufwand (ohne Nutzen) wird von den beteiligten Unternehmen nur widerwillig hingenommen.

An dieser Stelle sei nochmals darauf verwiesen, dass solche Forderungen keine Wiederspiegelung in der ISO 50001:2018 finden. Sie kommen aber ins Spiel, weil sich das Unternehmen der besonderen Ausgleichsregelung unterwirft und die daraus resultierenden Anforderungen erfüllen muss.

Das Ziel der revidierten Norm besteht nach wie vor darin, Energieeinsparpotenziale aufzudecken und zu schließen – für mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit, nicht für Bürokratie.

Publikationen

Publikation Beuth Praxis 2019-10

Erfolgreiches Energiemanagement nach DIN EN ISO 50001:2018
Lösungen zur praktischen Umsetzung - Textbeispiele, Musterformulare, Checklisten

ab 128,00 EUR inkl. MwSt.

ab 121,90 EUR exkl. MwSt.

Publikation DIN-Taschenbuch 415 2019-07

Energiemanagement
Energiemanagementsysteme und Energieaudits

ab 173,00 EUR inkl. MwSt.

ab 164,76 EUR exkl. MwSt.

ab 195,00 EUR inkl. MwSt.

ab 185,71 EUR exkl. MwSt.

Weiterbildungen zum Thema Management und Qualität

Hier finden Sie Termine zu aktuellen Seminaren, Tagungen oder Workshops der DIN Akademie rund um das Thema Management und Qualität.

Normen

Norm [AKTUELL] 2020-06

DIN EN ISO 22301:2020-06
Sicherheit und Resilienz - Business Continuity Management System - Anforderungen (ISO 22301:2019); Deutsche Fassung EN ISO 22301:2019

ab 97,93 EUR inkl. MwSt.

ab 93,27 EUR exkl. MwSt.

Norm [AKTUELL] 2018-12

DIN EN ISO 50001:2018-12
Energiemanagementsysteme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung (ISO 50001:2018); Deutsche Fassung EN ISO 50001:2018

ab 112,75 EUR inkl. MwSt.

ab 107,38 EUR exkl. MwSt.

Norm [AKTUELL] 2018-08

ISO 50001:2018-08
Energiemanagementsysteme - Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung

ab 146,60 EUR inkl. MwSt.

ab 139,62 EUR exkl. MwSt.

Managementnormen online

Managementsysteme helfen Unternehmen, effizienter und transparenter zu arbeiten. Mit unserem Online-Dienst behalten Sie die Übersicht über die führenden, weltweit anerkannten Managementsystemnormen, zum Beispiel DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement) und DIN ISO 45001 (Arbeitssicherheits- und Gesundheitsmanagement).

QSU – Qualitätsmanagement / Statistik / Umweltmanagement – Loseblattwerk

Das Loseblattwerk QSU enthält insgesamt rund 150 Normen / Dokumente wichtiger Regelsetzer (DIN, ISO, ÖNORM, VDI) im Volltext sowie Anwendungshilfen und ausgewählte Sekundärliteratur.

Managementsysteme – Erfolg durch Qualität

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